Sonntag, 30. August 2026

007 Hilfsgruppenarbeit in La Saline

Ich hatte ja ein Allrad-Fahrzeug glücklicherweise von Freund Andy ausleihen können. Andy hatte noch schnell einen Check am Fahrzeug vorgenommen und dann ging es am nächsten Morgen in der Frühe wieder nach Port au Prince. Als wir in La Saline ankamen, wurden wir schon sehnsüchtig erwartet. Doctora Junette übernahm die mitgebrachten Medikamente, Mama Madou war sehr zufrieden mit dem Nachschub an Lebensmitteln, Adrien staunte über die grossen Planen für den Sonnen- und Regenschutz und den neuen Stromgenerator. Und Pastor Joseph wartete auf mich, um mit mir das weitere Vorgehen bei seinem Kinderdorf zu besprechen.

Die mitgebrachten Hilfsgüter wurden sehnlich erwartet. Die Suppenküche war schon in Betrieb. Wünsche nach weiteren Hilfssendungen wurden schon wieder gestellt. Immer mehr Menschen nahmen an der Suppenausgabe teil. Waren es zunächst etwa 50, so sind es bald bereits100 und in wenigen Tagen werden es noch mehr sein.

Es war mein Anliegen, die Eigenversorgung der Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu stellen, und damit die Abhängigkeit von Hilfslieferungen so weit als möglich wieder zurückzufahren und damit die Nachhaltigkeit der Hilfe zu stärken. Wie ist das möglich?

Es gibt wieder einen Gemüsemarkt, etwa 1 km entfernt. Dieser Markt wird uns das Gemüse
liefern. Die Gemüseproduzenten sind ja auch auf ihren Erwerb angewiesen. Die Suppenküche war die zentrale Begegnungs- und Arbeitsstätte. Für die Küche wurde von Mama Madou und Mme.Vousèle eine haitianische Feuerstelle für Holzkohle installiert. Man feuert halt immer noch mit Holzkohle, Gas müsste teuer importiert werden. Es gibt zwar Öl- und Gasvorkommen in Haiti, aber keine Öl- und Gasgewinnung. Ein von Präsident Aristide vor 30 Jahren durch Bohraufschlüsse ermitteltes Weisbuch, wird seither unter Verschluss gehalten. Öl- und Gasbohrungen gibt es nicht.

Mme Vousèle gibt hier ihre feine Aujama-Suppe aus. Und von Mama Madou gibt es Reis mit Fleisch und Gemüse. Mama Madou hatte noch einen Stab von Helferinnen und Helfern, die im Hintergrund arbeiteten und nicht in Erscheinung traten. Zu ihnen gehörten auch Adrien und Basbah. Brot liefert eine Boulangerie, die nach wie vor in La Saline arbeitet. Wasser musste teuer in Gallonen zugekauft werden. Ein fehlender Wassertank wurde in einem späteren Zeitpunkt von Monika Vosswinkel gespendet.

Ich war ja ganz erstaunt darüber, dass alles so reibungslos schnell organisiert und so unkompliziert rasch zum Funktionieren gebracht werden konnte. Ich fragte Raymonde danach, worauf sie lächelte und mir den Zusammenhang so erklärte. In La Saline gibt es zwei grosse Familien, die Joseph und Jeanbaptiste heissen. Ausser diesen gibt es nur kleinere Familien. Fast alle Helferinnen und Helfer sind aus Familie Jeanbaptiste, in der jeder jeden kennt. Nur Pastor Samson Joseph kommt aus der anderen Familie.

Das Abwasser war in ganz La Saline ein grosses Problem, es floss einfach in einem Rinnsal durch die Strassen. Um Krankheiten zu vermeiden, wurde Chlor zugefügt. Allerdings besteht der Untergrund aus sehr offenporigem Lavagestein und es gab einen ständigen Austausch mit dem nahen Meer. So war das besagte Rinnsal örtlich durch eine Sickergrube mit dem unterirdischen Wasserfluss verbunden und kann so versickern. Adrien und Basbah hatten es übernommen, als erstes die Plaza Jeremie mit einem Dach als Schutz gegen Sonne und Regen zu überspannen, weil man nachts draussen schlief, aus Angst vor Nachbeben. Ich hatte in weiser Voraussicht genügend Plastikplanen und Seile mitgebracht. um ein Tragnetz für die Plastikplanen zu spannen. Wir blieben noch eine Weile in La Saline und fuhren dann wieder heim im Bewusstsein, dass sich jetzt erst mal alles bewähren sollte. Jodny, der Bruder von Raymonde, leitete in meiner Abwesenheit die Hilfsgruppe, konnte aber jederzeit mit mir telefonieren.



Vierte Hilfsfahrt nach Port au Prince


Der Abschied





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